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02.11.2020

Lesung im Frauencafé von Immanuel Beratung Marzahn - Geschichten über Flucht und Ankommen

Zwischenräume heißt der Titel eines eben erschienenen Buches, das die Fluchtgeschichten von neun, aus Afghanistan, Syrien, Irak und Kamerun geflüchteten Frauen erzählt und die Erfahrungen und vielfältigen Schwierigkeiten beim Ankommen in Berlin schildert. Die zu Wort kommenden Frauen sind regelmäßige Gäste des Frauencafés, das seit 2016 vom Immanuel Beratungszentrum Marzahn organisiert wird. Bei einer Lesung am 27. Oktober wurden Auszüge aus drei der im Buch versammelten Fluchtgeschichten in der Herkunftssprache der Frauen sowie auch in der deutschen Übersetzung vorgetragen. Die Musikerin/Songwriterin Zazuka begleitete den Abend mit stimmungsvollen Liedern.
Die Idee, die individuellen Geschichten von Flucht und Ankommen aufzuschreiben und zu sammeln, entstand, als eine 80-jährige ehrenamtliche Helferin im Frauencafé von der Flucht ihrer Familie aus Böhmen im Jahr 1945 erzählte. Alle Anwesenden lauschten gespannt. Einige fühlten sich ermutigt, ihre eigene Geschichte nun ebenfalls zu erzählen. Die Leiterin des Immanuel Beratungszentrum Marzahn, Anne-Kathrin Hoelzmann, dachte sofort: Diese Geschichten muss man aufschreiben und übersetzen lassen! Sie setzte sich ans Telefon in der Hoffnung, einen Projektpartner zu finden. Über das Institut für Islamwissenschaften an der Freien Universität Berlin gelangte sie so an Dr. Sarah Jurkiewicz, Forscherin am Berliner Leibniz-Zentrum Moderner Orient. Nach einem ersten Zusammentreffen und Ideenaustausch im Frauencafé war klar, dass man die Idee unbedingt in ein gemeinsames Buchprojekt umsetzen wollte.
In den folgenden Wochen interviewte Frau Jurkiewicz in Zusammenarbeit mit engagierten Sprachmittlerinnen neun Frauen. Sie erzählten, warum sie mit ihren Familien ihr Heimatland verlassen haben, was sie auf der Flucht erlebten, wie sie diese planten und organisierten, wie sich die erste Zeit in Deutschland gestaltete und wie es ihnen heute geht. Eine wichtige Rolle in den Fragen spielte, wie die Interviewten als Frauen, Mütter, Partnerinnen, zum Teil ehemals Berufstätige die Flucht und die Ankunft in einem neuen Land und einer fremden Kultur erlebten.
Die erzählten Geschichten wurden nur äußerst behutsam redaktionell bearbeitet, denn es geht bei ihnen nicht darum, vollständig oder repräsentativ zu sein. Vielmehr sollen sie individuelle Erfahrungen, Wünsche, Ängste und Hoffnungen zum Ausdruck bringen, den Frauen eine Stimme (wieder-)geben und eine persönliche Momentaufnahme sein. Ein großer Wunsch der Projektbeteiligten ist es, diesen Geschichten im Abstand von einigen Jahren eine weitere Erzählreihe folgen zu lassen. Ein solches Langzeitprojekt lässt die Erzählerinnen selbst, aber besonders auch die Zuhörenden den Zwischenraum ausloten, den Menschen auf und nach der Flucht passieren. Neben dem geteilten Schicksal der Flucht, des Verlusts der Heimat und der wiederholten Erfahrung von Ablehnung oder Hilflosigkeit im neuen Land machen die im Buch versammelten Erzählungen eines aber auch deutlich: Man kann irgendwann ankommen. Man kann in einem fremden Land ein neues Zuhause finden.
Interkultureller Treffpunkt
Im Marzahner Frauencafé treffen sich jeden Dienstag Frauen, die aus unterschiedlichen Ländern nach Deutschland geflüchtet sind, Einheimische aus Marzahn und Hellersdorf sowie ehrenamtliche Helferinnen. Sie tauschen sich hier über den Alltag in Deutschland, Familie und Erziehung, Bildung und Partnerschaft aus. Sie lernen hier auch Deutsch und erfahren Hilfe bei der Wohnungs- und Jobsuche. Ganz wichtig ist es Frau Hoelzmann und der Projektleiterin Antonia Klostermann vom Immanuel Beratungszentrum Marzahn, dass auch deutsche Frauen aus Marzahn und Hellersdorf mit ihren Kindern zu den wöchentlichen Treffen kommen. Diese Form der Vernetzung und des Austauschs zu wichtigen persönlichen Themen ist ein wichtiger Baustein, um nach der Erfahrung der Flucht in Berlin anzukommen und hier ein neues Zuhause zu finden. Das Frauencafé des Immanuel Beratungszentrum Marzahn freut sich über Spenden, um Sachkosten und Honorarkosten für die Sprachmittlerinnen finanzieren zu können.



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